Sonntag, 16.4.00

Dieser Tag sollte etwas ganz besonderes werden. Ein Tag, von dem wir noch lange erzählen würden...

Nachdem wir am Vortag ziemlich spät schlafen gingen, schlafen wir uns erst mal richtig aus. Das können wir auch, da für die Besucher der Convention ein extra spätes Frühstück veranstaltet wird. So um 11 gehen wir also runter in den Raum vom Vorabend zum Frühstücken. Und es kommt, wie es kommen mußte... Alle Leute vom Vorabend finden sich wieder an unserem Tisch ein. Und Marcel darf auch gleich wieder Fotomodell spielen. Hahaha! Nicole und Marcel sind auch noch bis Freitag in England geblieben. Allerdings sind sie nicht wie wir nach London, sondern nach Newcastle und Glasgow. Und selbst dort mußte sich Marcel fotografieren lassen...

Nach dem Frühstück schnappen wir unsere Sachen, gehen noch mal kurz raus, um ein paar Fotos zu machen, und dann wird an der Rezeption ein Taxi bestellt und ausgechecked. Und jetzt geht´s ab nach London. Am Bahnhof in Basildon treffen wir die drei Schweizer wieder, die dann bis zur Fenchurch Street mitfahren. Antje; Maren und ich machen uns erst mal auf den Weg zu Antjes Hotel. Schon wieder Taschen schleppen. Und diesmal auch noch ziemlich weit. Na ja. Wir sind in London und alles ist gut! An Antjes Hotel angekommen, erfahren wir, daß sie erst um 15.00 Uhr einchecken kann. Bis dahin müssen wir uns also noch die Zeit vertreiben. Und da das Wetter heute mal schön ist, wollen wir ein bißchen in den Kensington Park, der gleich um die Ecke liegt. Also Gepäck unterstellen und auf ging´s. Ein bißchen durch den Park schlendern, das Wetter genießen, Ruhe haben... Dann passen wir einer Frau auf, die Eichhörnchen mit Nüssen füttert. Ist das süß. Sie drückt uns auch ein paar Erdnüsse in die Hand und dann dürfen wir mal unser Glück versuchen. Mann, diese Eichhörnchen haben uns die Nüsse regelrecht aus der Hand gerissen. Und dann meist verbuddelt. War das niedlich!

Kurz vor drei geht´s dann zurück zu Antjes Hotel. Einchecken. Mein Gott, ist das Zimmer schrecklich! Hoffentlich würden wir es besser erwischen. Wir müssen jetzt erst mal zu unserem B&B. Also alle zusammen zur Victoria Station. Antje bringt die Filme von der Convention gleich zum Entwickeln und ich mache mich mit Maren weiter auf in Richtung Unterkunft. Als erstes müssen wir feststellen, daß die ziemlich weit draußen ist und wir eine extra Fahrkarte brauchen. Na super! Also Karte kaufen und dann los. Die Zeit wurde langsam immer knapper, denn wir hatten uns für 18.30 an den Abbey Road Studios verabredet und für 19.00 einen Tisch im Gascogne reserviert. Und dabei hatten wir keine Ahnung, wie schnell wir unser Zimmer finden würden.

In Penge East aus dem Zug raus und los ging´s. Natürlich erwischen wir die falsche Straße. Die Leute, die wir fragen, haben keine Ahnung. Aber wir haben ja zum Glück einen Stadtplan. Also zurück, nach links, nochmal links in die Crampton Road. Diesmal sind wir richtig. Und natürlich ist unsere Unterkunft, die Nr. 3, das letzte Haus in der Straße. Hatte sich denn alles verschworen? Klingeln. Nichts. Noch einmal klingeln. Schritte. Die Tür wird geöffnet. Sue macht auf und entschuldigt sich, daß es etwas länger gedauert hat. Ich schneide ihr das Wort ab und fange an los zu sprudeln: "Hi. We´re under big pressure. Have to get ready in 10 minutes." Verblüfftes Gesicht. Unser Zimmer wäre oben und das Bad da hinten. Also wir erst mal Treppe hoch, umziehen, Treppe runter, um die Ecke ins Bad, frisch machen und schminken, Treppe hoch, Sachen und Schlüssel schnappen, Treppe runter, Klo, 5 Sätze mit der armen Frau reden und raus, zum Bahnhof hetzen, Zug pünktlich erreicht, zurück nach London und zur U-Bahn hetzen, Richtung St.-Johns-Wood. Pünktlich. Also können wir in Ruhe zu den Studios laufen. Daniela und Silke sind schon da und Antje kommt auch kurz drauf.

Die Studios müssen natürlich erst mal auf Foto gebannt werden ebenso wie das Straßenschild. Ob Mart wohl gerade drin ist? Immerhin arbeiten die ja schon an der neuen Platte. Aber wohl eher unwahrscheinlich. Als die Fotosession beendet ist, gehen wir zum Gascogne.

Abbey Road Studios


Gascogne

Draußen schon wieder Fotos machen und dann nichts wie rein. Bäh, die Farben! Grün und blau. Wie in der Bahn nach Basildon. Und dann auch noch in Lackfarbe. Schrecklich! Wir treffen auch noch drei Leute, die gestern auch auf der Convention waren. Das sind aber die einzigen Fans, die sich den ganzen Abend blicken lassen.

Tja, was machen wir jetzt? Erst mal was zu trinken bestellen. Cola. Und danach was zu essen: frittiertes Gemüse mit Glasnudeln. Asiatisch. Ziemlich scharf. Aber total lecker. Von den anderen Fans lassen wir gleich noch ein Foto von uns machen. Das Essen im Gascogne mußte doch festgehalten werden. Als wir gerade so beim Essen sind, kommt Andy rein. Unglaublich! Sollten wir tatsächlich auch mal jemanden von der Band treffen? Anfänglich registrieren wir das gar nicht so richtig, nicken kurz, als er an uns vorbei geht, und weiter gegessen. Beim rein gehen stößt Andy auf dem Nachbartisch dann auch noch den Pfefferstreuer um. Dabei schimpft er dann auch ziemlich vor sich hin und wir denken noch, was der wohl für Laune hat. Aber ein Lachen können wir uns trotzdem nur schwer verkneifen. Er schmeißt seinen Pulli auf die Bank neben uns und setzt sich mit seinen beiden Freunden (einer ist vom schwedischen Fanclub, wie wir später erfahren) erst mal an die Bar und trinkt ein Glas Weißwein.

Und nun? Quatschen wir ihn einfach an? Oder lieber doch nicht? Immerhin ist er mit ein paar Freunden da und will sicher erst mal seine Ruhe haben. Also essen wir in aller Ruhe weiter und bestellen danach eine Flasche Rotwein. Nur 4 Gläser, da Silke keinen Wein haben will. In der Zwischenzeit lassen die drei neben uns ein Foto mit Andy machen, da sie gleich weg mußten. Adressen werden natürlich sofort ausgetauscht, da wir das Foto später auch gerne haben wollten. Wir wollten mit der Frage nach einem Foto dann doch lieber erst mal noch warten und sehen uns statt dessen die Conventionfotos an und schreiben etwas am Bericht des gestrigen Tages.

Das läßt Andy natürlich keine Ruhe, er wird neugierig und kommt zu uns um zu fragen, was wir da eigentlich immerzu schreiben würden. Tja, das ist der Auftakt eines ziemlich langen Abends mit Andy gewesen.


Im Gascogne

Als erstes erklären wir ihm dann, daß wir gestern auf der Bong-Convention waren und nun das, was wir gestern so erlebt haben, auf´s Papier bringen würden. Und neugierig, wie er ist, will er das dann doch genauer wissen. Also schieben wir ihm erst mal die Fotos über den Tisch, die er sich dann amüsiert ansieht. Besonders "Martin" findet er super. Sein Kommentar zu "Dave": "This man doesn´t look like Dave..." "Not really." "Oh, is that me?" Hahaha! Und dann das Bild mit der goldenen Ultra. "Who´s won this? Is it you?" "Yes!" "You will get signed it?" "Yeeeeees!!!!" *grinsmichtot* Als nächstes mußte er beim Ansehen der Fotos dann noch über Antjes "dicke Katze" lästern. Tststs.

Und dann unterhalten wir uns, als ob es das normalste auf der Welt wäre. Er erzählt uns, daß seine Familie gerade in Florida ist und er ist hier "on his own". Der Schwede (Namen hab ich leider vergessen) würde ihn gerade besuchen und gestern hatten die beiden eine "party with two goldfishes" und dabei eine "drinking competition", bei der der Schwede gewonnen hat. Ich frage ihn natürlich auch nach den Arbeiten an der neuen Platte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Mart schon 7 "really brilliant songs" geschrieben. "The best he ever did" 3 davon wären schon jetzt als Singles zu bezeichnen. "When can we expect the new album?" "Early next year" *jubel* Und dann erzählt er noch, daß es von der nächsten Tour eine Liveaufnahme geben würde. "a second 101", wie er sich ausdrückt. Das ist doch absolut FANTASTISCH! Das ist dann auch der richtige Zeitpunkt, um uns zu erzählen, daß Margret aus dem 101-Film jetzt Manager von Oasis ist.

Im Anschluß erzähle ich ihm von den Tapes auf der Convention. Da muß er gleich lachen und meint noch einmal "I´m the best one fingered keybord player in the world...but not at the moment." Hehe...das ist wohl ein Verweis auf das Pflaster am Daumen. Ich frage ihn auch, was er denn angestellt hätte, aber das will er dann doch nicht verraten. Danach will er wissen, was denn die anderen so gesagt hätten. Dave, daß die Arbeiten an der neuen Platte sehr gut voranschreiten würden und "see you next year on the road". Da nickt er nur. "And Mart?" Basildon wäre so eine schönen Stadt und wir sollten uns doch die "sights" ansehen. "Oh, he was joking?" "Yeah!" "I think he was the funiest one." "Yeah!" Hahaha.....

Und dann dachte ich, jetzt wäre doch die richtige Zeit, um mal nach einem Foto zu fragen. Das tue ich also und Fletch will nicht. "Why not?" "I´m too drunk...half drunk" "Oh please" "Not yet. Perhaps when I´m totally drunk... but not today." So ein Mist. Das ganze glaubt uns dann doch kein Mensch. "Are you here tomorrow?" "On mondays we´re closed" Na danke auch. Da wollten wir doch Marens Geburtstag hier feiern. "Oh, it´s her birthday tomorrow... on Thuesday?" "Yes. I´ll be here." "Could we take a foto then?" "Yes." Ha, da hatte er es versprochen. Also werden wir am Dienstag auf jeden Fall noch mal kommen, damit wir dann auch unser versprochenes Foto machen können.

Unser Wein war in der Zwischenzeit auch alle geworden. Also eine neue Flasche bestellen. Uns ist mittlerweile auch egal, was das alles kosten würde. So was erlebt man ja schließlich nicht alle Tage. Andy fragt uns dann, ob wir einen "Pietschschnäps" wollten. Haha...da wäre also jetzt das fröhliche Trinken eingeläutet. Wenn ich nur jetzt noch so genau wüßte, über was wir den ganzen Abend so geredet haben. Mal sehen, was ich noch zusammen kriege. Auf jeden Fall hab ich ihn gefragt, ob wir etwas näher rücken dürften, da es so über die Taschen hinweg etwas schwierig war mit der Unterhaltung. Und die anderen haben eh kaum was mitbekommen. Also erst mal die Taschen weg räumen. Maren´s Tasche erwische ich natürlich am unteren Ende verteile und erst mal den ganzen Inhalt vor Andys Füßen. War das vielleicht peinlich! Aber ich bin nicht als einzige etwas tolpatschig. Andy ist nämlich seine Zigarette aus der Hand auf seine Hose gefallen. Da fällt mir auch grad noch ein, daß seine Haare furchtbar aussahen. Völlig wirr. Vor allen Dingen hinten. Wie ein Rosettenmeerschweinchen.

Ich erzähle ihm auch von den DM-Partys in Deutschland. Zum Beispiel Hamburg. Wie da alle mit den Armen winken bei NLMDA. Ich frage ihn auch nach dem Gefühl, das man hat, wenn man auf der Bühne steht und tausende Menschen zu NLMDA die Arme schwenken sieht. "Great". Dann frag ich ihn auch noch, ob die Fans irgendwo besonders toll wären. Überall. Und da wir einmal beim Thema Fans sind, erzählt er uns gleich, daß einmal ein weiblicher Fan bei totalem Mistwetter 3 Stunden vor dem Restaurant saß und nicht rein kam. Das konnte er irgendwie gar nicht verstehen.

Und dann will er sich laufend Silkes Feuerzeug leihen, um sich seine Zigaretten anzuzünden. Und wie er dann die Zigaretten gehalten hat. Zum Schießen. Da Maren noch das Feuerzeug von mir einstecken hatte, schenken wir ihm das dann kurzer Hand. "How is this called in German?" "Feuerzeug" "Feuer what?" "F-E-U-E-R-Z-E-U-G!!!" "Feuer...seukk" Hahahahaha!!!! Hat sich das angehört, als er Feuerzeug sagte... J Tja, und irgendwie hat er es doch fertig gebracht, auch dieses Feuerzeug wieder zu verschlampen. Deswegen mußte ihm Antje seine Zigarette anzünden. Als Gegenleistung hat er ihre dann angezündet. Als unsere Ziggis später alle waren, haben sich Maren und Antje welche von ihm geschlaucht. Die Stummel mußten dann doch gleich aufbewahrt werden ;-) Und weil wir ja nicht schon bescheuert genug waren, hat sich Antje Notizen auf ihre Serviette gemacht. Damit wir auch ja nichts vergessen. Feuerzeug war übrigens auch nicht das einzige Wort, was wir ihm auf deutsch gelernt hatten. Da war noch fünfundzwanzig (als es darum ging, wie alt Maren werden würde), ja und nein.

Wir unterhalten uns auch ewig über Geschichte. Zum Beispiel über den Holocaust. Nebenbei hören wir uns dann DM-Songs. Und Andy konnte nicht aufhören, immerzu am Player rumzuspielen und durch die CDs zu zappen. "On Fridays we always play Depeche Mode songs. And sometimes Martin´s here." Und natürlich war jeder Song sein Lieblingssong. Aber besonders toll fand er "Home". Wegen des Textes. Er dachte immer, es ginge um´s nach Hause finden. Später hat ihm Mart dann mal erklärt, daß es eigentlich um´s sterben ginge. Und der beste Mix ist für ihn der "Ghost Mix" von "Home". Ich frage ihn daraufhin, wie sie sich die Leute aussuchen, die die Mixe machen und daß ich manche Mixe ziemlich schlecht finde. "We choose people we like. And we give them freedom in what tey´re doing." Aha!

Besonders mochte er die "Speak and Spell". Als beste Single bezeichnete er "Dreaming of me". Und als wir bei "Big Muff" ankamen, meinte er nur "that´s Martin´s song". Wir haben aber nicht nur DM gehört. Irgendwann hat er angefangen, die deutsche Nationalhymne zu singen. Das Deutsch hörte sich schon ziemlich witzig an. "Deutschland, Deutschland über alles..." Und dann hat er so eine Fußball-CD eingelegt. Mit einem Song über seinen Lieblingsverein. "Chelsea, Chelsea...!" Angeblich von Mart geschrieben. Ob wir ihn da richtig verstanden hatten? Als nächstes hat er dann eine Elvis-CD eingelegt.

Während er sich so am CD-Player zu schaffen macht, unterhalte ich mich etwas mit dem Schweden. Der ist oft in Deutschland und war da schon auf ziemlich vielen Konzerten und Festivals. Dann quatschen wir über schwedische Electro-Bands: Covenant, SPOCK... Irgendwie sind wir dann auch auf die Wikinger gekommen. Keine Ahnung mehr, um was es da ging. Ich hatte da doch schon einiges getrunken. Auf jeden Fall mischte sich dann Andy auch wieder in das Gespräch ein.

Fletch spendiert uns auch noch eine Flasche Wein und da kein Pfirsichschnaps mehr da war, sind wir zu Tequila übergegangen, den er natürlich auch noch ausgegeben hatte. Als Gegenleistung hat ihm Daniela später auch einen Schnaps spendiert. Kurz vor 12 frage ich ihn dann, ob er DM einlegen könnte, da doch Maren gleich Geburtstag hätte. Da legt er erst mal eine Interview-Disc ein. Die Stimme von Dave zu hören, war richtig schön. Dann singen wir alles zusammen "Happy Birthday". Und wieder mit Tequila angestoßen. Die Depeche-CD schmeißt er aber schnell wieder aus dem Player und legt eine Reaggie-CD ein. Bob Marley und so. "Ain´t no sunshine when....lalala".

Und da wir schon alle ziemlich knülle sind, fangen wir an, auch noch dazu zu tanzen. Auch mit Andy. Er nimmt Maren und mich in den Arm und wir legen zu dritt ein Tänzchen hin. Silke meinte später, er hätte einen "Befruchtungstanz" aufgeführt. Diese Doofe! Hahaha! Aber irgendwann muß auch die schönste Nacht zu Ende sein und so gegen 1 Uhr bekommen wir die Rechnung. 78 Pfund. Buh! Bezahle ich erst mal mit Karte wegen der Quittung als Andenken. Das Geld hab ich später von den anderen eingesackt.

Als wir dann endlich draußen sind, gehen wir gaaanz langsam Richtung Abbey-Road. Immerhin ging Andy mit dem Rest auch. Daniela und Antje gehen dann noch mal zurück, um Andy doch noch nach einem Foto zu fragen. Und die beiden haben es doch tatsächlich bekommen. Danach wanken wir alle total betrunken die Abbey-Road entlang in der Hoffnung, ein Taxi zu erwischen. Antje legt sich dabei noch halb hin und verknackst sich leicht den Fuß. Und Maren jammert laufen, "ich gehe nicht mehr weiter. Ich lege mich jetzt hier hin und will nur noch schlafen". Oder so was ähnliches. Ich habe dann Maren auf der einen Seite und Antje auf der anderen untergehakt. Die beiden mußten doch gestützt werden ;-)

Irgendwann kommt dann auch ein Taxi, mit dem wir dann alle zusammen zu Daniela und Silke ins Hotel fahren. Und da wir nicht mehr fähig sind, nach Hause zu kommen und da eh keine Bahn mehr fuhr, pennen wir alle im Zimmer der beiden. Maren und Antje auf dem Boden, ich bei Daniela im Bett. Um 7 bimmelt dann der Wecker, da Daniela und Silke ja an ihrem letzten Tag noch was sehen wollten.